Aktuell 28. April 2020

Fortschritte bei reproduktiven Rechten auch in der Corona-Krise schützen!

Frau mit Schild inmitten einer Menschenmenge, auf dem Schild steht: "Frauenrechte sind Menschenrechte"

Demonstration am Weltfrauentag am 8. M?rz 2020 in Warschau

Die COVID-19-Pandemie bringt Gesundheitssysteme weltweit an ihre Grenzen. Dies macht es für viele Menschen noch schwerer, Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen und Verhütungsmitteln zu erhalten.

Eine Gesundheitskrise mit dem Ausma? der Corona-Pandemie stellt Regierungen vor die schwierige Entscheidung, an welcher Stelle sie die begrenzten Gesundheitsressourcen einsetzen sollen. In einigen L?ndern, darunter Nepal und Südafrika, waren Institutionen, die Schwangerschaftsabbrüche und Verhütungsmittel anbieten, gezwungen, ihre Leistungen einzuschr?nken oder auszusetzen. Doch selbst dort, wo diese Leistungen weiter verfügbar bleiben, sorgen Reisebeschr?nkungen, Ma?nahmen, die das Einhalten eines Sicherheitsabstands erforderlich machen, sowie der Verlust von Arbeitspl?tzen und Arzneimittelknappheit für neue Zugangsbarrieren.

Hier sind fünf Gründe, warum Leistungen für sexuelle und reproduktive Gesundheit verfügbar und zug?nglich bleiben müssen – w?hrend und nach der Pandemie.

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Diese Leistungen retten jeden Tag Leben

Weltweit wird eine von vier Schwangerschaften abgebrochen. Aufgrund restriktiver Gesetze haben jedoch nicht alle die M?glichkeit, einen Schwangerschaftsabbruch sicher durchführen zu lassen. Sch?tzungen zufolge sterben jedes Jahr 22.000 Personen an den Folgen einer unsicheren Abtreibung.

Die Zahlen zeigen, dass die Müttersterblichkeitsrate steigt, sobald es Hindernisse für den Zugang zu Verhütungsmitteln und sicherer Abtreibung gibt. Die Müttersterblichkeitsrate berücksichtigt auch Todesf?lle w?hrend der Geburt oder nach einem nicht sicheren Schwangerschaftsabbruch. Die NGO Marie Stopes International (MSI), die in 37 L?ndern der Welt Verhütungsmittel und Schwangerschaftsabbrüche anbietet, hat davor gewarnt, dass COVID-19 verheerende Auswirkungen auf die Müttergesundheit haben k?nnte.

Nach Sch?tzungen der Organisation k?nnten die Beeintr?chtigungen durch COVID-19 in den 37 L?ndern, in denen sie t?tig ist, zu drei Millionen zus?tzlichen ungewollten Schwangerschaften, 2,7 Millionen zus?tzlichen unsicheren Abtreibungen und 11.000 zus?tzlichen schwangerschaftsbedingten Todesf?llen führen.

Steigender Bedarf in Krisenzeiten

Bei früheren Pandemien wurde Programmen für reproduktive Gesundheit massiv die Unterstützung entzogen, was zu einem deutlichen Anstieg der Müttersterblichkeit führte. So zeigen Studien, dass w?hrend der Ebola-Krise in Westafrika die Fortschritte bezüglich der Senkung der Müttersterblichkeit in einigen L?ndern um 15 oder 20 Jahre zurückgeworfen wurden.

In Sierra Leone hat der eingeschr?nkte Zugang zu reproduktiven Gesundheitsleistungen Sch?tzungen zufolge mindestens genauso viele Todesf?lle verursacht wie Ebola selbst. Frauen und M?dchen hatten keinen Zugang zu lebensrettenden Leistungen, obwohl sie diese n?tiger brauchten als je zuvor. W?hrend der Ebola-Krise gab es einen starken Anstieg sexualisierter Gewalt, und die Schlie?ung von Schulen führte zudem zu einer Zunahme der Schwangerschaften unter Minderj?hrigen.

Es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklungen w?hrend der COVID-19-Pandemie wiederholen werden. Eine erzwungene h?usliche Isolation kann das Risiko sexualisierter Gewalt erh?hen; mehr Menschen k?nnten sich aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen dafür entscheiden, Schwangerschaften zu beenden, und die Nachfrage nach Verhütungsmitteln k?nnte steigen, da Menschen sich erst einmal dagegen entscheiden, ein Kind zu bekommen.

Leistungseinschr?nkungen werden den Gesundheitssystemen langfristig mehr schaden

Es gibt ein Wirtschaftsmodell, dem zufolge mit jedem US-Dollar, der zur Verhütung einer ungewollten Schwangerschaft ausgegeben wird, die Kosten für schwangerschaftsbezogene Gesundheitsleistungen um 2,20 US-Dollar sinken. Unterdessen geht die WHO davon aus, dass die j?hrlichen Kosten für die Behandlung schwerwiegender Komplikationen nach unsicheren Abtreibungen bei 553 Millionen US-Dollar liegen.

So leidet nicht nur die Gesundheit, wenn Schwangerschaftsabbrüche und Verhütung nur eingeschr?nkt oder gar nicht verfügbar sind. Frauen und M?dchen, die nicht bestimmen k?nnen, wann sie Kinder haben wollen, haben h?ufig keinen Zugang zu Bildung oder einem Beruf und müssen k?mpfen, um gro?e Familien ern?hren zu k?nnen.

Empf?ngnisverhütung ver?ndert unser Leben, denn sie bef?higt uns, selbst über unsere Zukunft zu entscheiden. Diese Bef?higung f?rdert die soziale und wirtschaftliche Entwicklung, welche den Menschen wiederum hilft, Zugang zu ihren Rechten zu erhalten. So werden auch die Gesundheitssysteme weniger belastet.

Grünes Plakat mit wei?er Schrift "Adios", darunter die Illustration eines Kleiderbügels

Motiv einer Amnesty-Aktion gegen die Kriminalisierung von Abtreibungen in Argentinien am 7. August 2018

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Wir müssen die lang und hart erk?mpften Fortschritte bei reproduktiven Rechten schützen

Zwischen 2000 und 2017 ist die Müttersterblichkeitsrate weltweit um fast 38 Prozent gesunken. In den letzten 25 Jahren haben mehr als 50 L?nder ihre Gesetze ge?ndert, um einen schnelleren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen und zur medizinischen Versorgung nach einem Schwangerschaftsabbruch zu erm?glichen. Damit haben sie anerkannt, wie wichtig der Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch für den Schutz des Lebens und der Gesundheit ist. Wir k?nnen nicht zulassen, dass dieser Fortschritt vom Coronavirus zunichte gemacht wird.

Auch besteht die Gefahr, dass Politiker_innen, die gegen Abtreibungen sind, die Pandemie als Vorwand nutzen, um hart erk?mpfte reproduktive Rechte wieder zurückzunehmen. Dies war bereits der Fall in den US-Bundesstaaten Texas und Ohio. Auch in Polen gab es entsprechende Bemühungen.

Die Herausforderungen durch COVID-19 k?nnen gel?st werden

Bei Schwangerschaftsabbrüchen und Verhütung spielt Zeit eine entscheidende Rolle. Deshalb ist es so wichtig, dass Regierungen jetzt handeln, um diese Gesundheitsleistungen zu gew?hrleisten.

Von der Zulassung des Zugangs zu Schwangerschaftsabbruch und Verhütung über Telemedizin oder den rezeptfreien Verkauf von Notfallverhütungsmitteln in Apotheken bis hin zur Abschaffung unn?tiger Wartezeiten und erforderlicher Genehmigungen durch mehrere ?rzt_innen gibt es viele M?glichkeiten, wie Regierungen diese lebenswichtige Gesundheitsleistungen schützen und sie für Menschen, die sie brauchen, zug?nglich machen k?nnen.

Je früher sie handeln, desto mehr Leben k?nnen gerettet werden.
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